Issue 03
Steffen Eberhardt

Interview mit Steffen Eberhardt – Interieurdesigner von Plot Projects und Gründer von Eberhardt Objects aus Frankfurt am Main.

Interview und Fotos:
Ruth Maren Neubert
Frankfurt, 15. Januar 2026

STEFFEN EBERHARDT
Geboren in Bad Orb
Studierte Architektur in Darmstadt
Gründer von Eberhardt Objects

RUTH MAREN NEUBERT
Interview, Architektur

Gegründet im Jahr 2015 ist Eberhardt Objects ein in Frankfurt am Main ansässiges Designstudio für Konzeptentwicklung, Innenarchitektur und Produktdesign.

RU

Erzähl ein bisschen von dir. Kommst du aus Frankfurt? Du hast vor dem Studium eine Ausbildung als Tischler gemacht. Wie kam es dazu und wie ging dein Weg weiter?

SE

Mein Architekturstudium habe ich in Darmstadt begonnen, davor habe ich eine Ausbildung als Tischler gemacht. Der Wunsch, Architekt zu werden, war schon früh da. Beim Hausbau meiner Eltern gab es einen Moment, der mir bis heute präsent ist: Der Architekt kam abends vorbei, legte seine Pläne aus und sprach über den Entwurf. Plötzlich ging es nur um Ideen, um Entscheidungen, um das gedankliche Durchspielen von Möglichkeiten. Diese Ruhe hatte eine besondere Qualität. Da habe ich verstanden, dass Architektur viel mit Vorstellungskraft zu tun hat und mit der Fähigkeit, Gedanken in klare Formen zu bringen.
Mich hat damals vor allem gereizt, für andere zu entwerfen – sich in Menschen hineinzuversetzen, ihre Wünsche ernst zu nehmen und daraus etwas Stimmiges zu entwickeln. Dieses langsame Annähern an eine Lösung, die wirklich passt, fand ich spannend.

Studio Bench by Steffen Eberhardt
Studio Bench by Eberhardt Objects (Photo: Steffen Eberhardt)

„Mich hat damals vor allem gereizt, für andere zu entwerfen – sich in Menschen hineinzuversetzen, ihre Wünsche ernst zu nehmen und daraus etwas Stimmiges zu entwickeln.“

Steffen Eberhardt at Plot Projects Photo by Ruth M Neubert
Steffen im Plot Projects Space
RU

Wenn es um Möbel und Interior geht: Gab es Gestalter oder Architekten, die dich im Studium geprägt haben und an denen du dich bis heute orientierst?

SE

Ich habe mich nie stark an Trends oder wechselnden Vorbildern orientiert. Mir ging es immer darum, meine eigene Vorstellung von Gestaltung zu entwickeln und konsequent zu verfolgen. Ein Architekt, der mich nachhaltig geprägt hat, ist Mies van der Rohe.
Was mich an seiner Arbeit bis heute beeindruckt, ist die Präzision seiner Grundrisse. Mit sehr wenigen Linien schafft er Räume, die offen wirken und gleichzeitig klar gegliedert sind. Diese Balance aus Offenheit und Ordnung hat mich stark beeinflusst – nicht als Stil, sondern als Haltung. Es geht um Klarheit, Proportion und Selbstverständlichkeit im Raum.

„ Diese Balance aus Offenheit und Ordnung hat mich stark beeinflusst – nicht als Stil, sondern als Haltung.“

RU

Ihr habt 2025 zehn Jahre Eberhardt Objects gefeiert. Wenn du heute noch einmal bei null anfangen würdest: Was würdest du anfangs auf keinen Fall wieder so machen?

SE

Den Weg an sich würde ich wieder so gehen. Die Verbindung aus Handwerk und Studium war genau richtig. Meine Schreinerlehre hat mir nicht nur fachlich viel gegeben, sondern mir auch ermöglicht, unabhängig zu studieren. Das war für mich kein Umweg. Sie hat mir Spaß gemacht und mir eine solide Grundlage gegeben: Ich habe gelernt, wie Materialien funktionieren, wie Dinge konstruiert sind und warum Details entscheidend sind. Gleichzeitig hat mir die Arbeit im Handwerk ermöglicht, das Studium selbst zu finanzieren und unabhängig zu bleiben. Rückblickend war genau diese Kombination aus Handwerk und Entwurf prägend für meinen weiteren Weg.

SE

Was ich anders machen würde, betrifft den Umgang mit der eigenen Arbeit. Ich würde früher sichtbar nach außen treten. Das fällt mir bis heute schwer, aber konsequent dranbleiben, die eigenen Arbeiten zu zeigen, ist entscheidend. Heute weiß ich: Gute Arbeit entfaltet nur dann Wirkung, wenn man sie auch sichtbar macht.

„Gute Arbeit entfaltet nur dann Wirkung, wenn man sie auch sichtbar macht.“

RU

Und wenn du etwas völlig anderes machen würdest: Was wäre das? Hast du dich manchmal gefragt, ob du den richtigen Weg gewählt hast?

SE

Für mich war früh klar, dass ich ins Handwerk will. Ob Tischlerei oder Zimmerei, darüber habe ich ernsthaft nachgedacht. Zimmermann habe ich wegen meiner Höhenangst verworfen, auch wenn mich die Tradition der Walz immer fasziniert hat.
Mich hat die Vorstellung gereizt, unterwegs zu sein und voneinander zu lernen, ganz nach der Tradition der Walz. Dabei ging es nicht ums Geld, sondern darum, das Handwerk intensiv zu erleben, sich mit anderen auszutauschen und praktisch zu lernen. Besonders spannend war für mich die Arbeit mit den Händen, das ständige Unterwegssein und das völlige Eintauchen in die handwerkliche Praxis.
Ich würde diesen Weg wieder wählen. Die Verbindung aus Handwerk, Gestaltung und räumlichem Denken passt zu mir. Alles Weitere hat sich daraus logisch entwickelt.

Studio Mirror: Eberhardt Objects 2025 (Foto: Ingmar Kurth)
Café Cosmic: Eberhardt Objects (Foto: Ingmar Kurth)

“Ziel ist es, aus einzelnen Entscheidungen ein stimmiges Ganzes zu entwickeln, ohne den Raum zu überladen.”

RU

Du hast in Frankfurt mehrere Gastronomieprojekte realisiert. Plot Projects war dagegen anfangs ein sehr offenes Konzept. Wie bist du an den Raum herangegangen, wenn Idee, Bau und Design gleichzeitig entstanden sind?

SE

Ein entscheidender Faktor war das Vertrauen. Ich kannte die Auftraggeber gut und hatte ein sehr klares Briefing. Mir war früh bewusst, welche Funktionen der Raum erfüllen muss und dass er vielseitig nutzbar sein soll. Die Herausforderung lag darin, innerhalb einer eher einfachen räumlichen Struktur Spannung zu erzeugen.
Ich arbeite viel über Proportionen, Höhen und klare Setzungen. Ziel ist es, aus einzelnen Entscheidungen ein stimmiges Ganzes zu entwickeln, ohne den Raum zu überladen. Gerade bei reduzierten Konzepten trägt jedes Detail die Qualität. Wenn man minimal arbeitet, darf nichts beiläufig sein.
Räume entstehen für mich letztlich über Licht. Gutes Licht ist nicht permanent präsent, sondern genau dort, wo es gebraucht wird. Es lenkt Aufmerksamkeit, schafft Atmosphäre und ordnet den Raum. In unseren Projekten arbeiten wir deshalb sehr bewusst mit Licht, Farbe und Proportionen.

(Foto: Kirsten Bucher)